Die Kelten und das Eisen

Die Kelten und das Eisen

Als die Menschen noch keinen Weg gefunden hatten, Eisenerz in Eisen und dann in Stahl* umzuwandeln, wurden die Funde als Geschenk der Götter verehrt. Man hatte noch nicht die Verhüttung des Eisens entdeckt. Später wurden dann kultische Gegenstände in der Antike aus Meteoreisen (H3 9,3 rechts, ind.+ kap)  geschmiedet.

Besonders der Nickelgehalt war wichtig. Der Nickel ist von einer grauschwarzen Kruste aus Kamzit und Taenit umgeben. Eisenmeteorite [H3-Wert kapazitiv 6,25 (der Schlüssel zum Keltischen Stahl)] enthalten oft Einschlüsse des Minerals Troilit (Eisensulfit FeS).

Neben einem spezifischen Eisen- und Nickelgehalt enthalten die Eisenmeteorite Minerale wie

  • Cohenit (Eisenkarbid)
  • Schreibersit (Nickeleisenphosphat)
  • Troilit (Eisensulfit) sowie
  • Kohlenstoff in Form von Graphit .

Darüber hinaus enthalten sie Spurenanteile von Edel- und Schwermetallen wie

  • Germanium,
  • Gallium,
  • Iridium,
  • Arsen,
  • Wolfram und
  • Gold.

Nichts fürchteten die Kelten mehr, als dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele. Was ja scheinbar ca. 450 v.Chr. im Chiemgau geschah. Ein Meteor schlug ein und formte u.a. den Tüttensee. Die damalige keltische Bevölkerung, wenn sie überlebte, zog vermutlich in Richtung Schwarzwald und Kärnten. Beim Einschlag dieses wohl metallischen Meteors war viel Eisen zu finden, welches die Kelten sicher mitgenommen haben.

Wie kamen die Kelten zu ihrem besonderen Stahl?

Der wurde von vielen bewundert und gerühmt. Sogar Ovid vergaß seine Liebesverse und schwärmte vom Norischen Eisen:

„Hart wie Eisen und Stahl, in der norischen Esse geschmolzen“

Bei Nutzung von Schachtöfen schon von 4000 Jahren konnte aus Eisenerz und Holzkohle Eisen gewonnen werden.

Für die Römer eine wichtige Waffe die gut zu Schärfen war und besondere Schneidfähigkeit hatte. Der Schlüssel dazu: Mangan und wenig Phosphat. Im Roheisen ist noch viel Kohlenstoff, der den Stahl brüchig macht.

Das schmiedbare Material kam in die Lehmöfen – sogenannten Rennöfen. Der Name leitet sich von: „herausrinnen“ des Eisens aus dem Ofen ab. Dort wurden im Wechsel Holzkohle und Eisenerz aufgeschichtet, vermischt mit Quarz, wegen des Siliziums. Hohe Temperaturen waren nötig, um auf über 1.000° C zu kommen. Sollte dann auch noch das Meteoreisen als Zuschlag beim Schmelzen verwendet worden sein, so könnten die im Meteoreisen befindlichen Elemente für eine weitere Verbesserung der Schwerter gesorgt haben. Es kann auch das besondere Erz mit Titangehalt (Ti H3-Wert 4,4 und 6,43) gewesen sein, welche auch in Noreia in einem halbfertigen Schwert gefunden wurde.

Dank der Isotopenbestimmung [Isotope: ein Element tritt auf mit gleicher Zahl an Protonen, aber unterschiedlich viele Neutronen. Sie unterscheiden sich in der Massezahl.] kann der Fundort der Erze bestimmt werden.

Wohl war es Zufall oder Erfahrung, dass möglicherweise um den Brennvorgang zu beschleunigen, der Holzkohle Heu/Stroh vom Mauer-Steinkraut zugeführt wurde. So kam dessen 20% iger Nickelanteil in die Schmelze. Nickel ein Element, das die Geschmeidigkeit des Schwertstahls verbessert. Wichtig war es, den Kohlenstoffgehalt zu kontrollieren und in einem Bereich vom 0,8 -1,5 % zu halten, so war die Luppe schmiedbar.

Die Kunst den Ofen zu betreiben: Kontrolle der Luftzufuhr.

Die im Rennofen gewonnene Luppe war mit ungleichmäßiger Verteilung von Eisen, Kohle- und Schlackeresten versetzt. Sie war nun den Schlägen des Schmiedes samt Schmiedefeuer ausgesetzt. Wird dann noch der Kohlenstoffgehalt durch unterschiedliche Verfahren reduziert, und auch sonstige nichterwünschte Stoffe minimiert, so erhält man Stahl.

Dieser wurde zu Spitzbarren gegossen und in den Handel gebracht.

Die schmalen Kanten der Barren konnten zur Überprüfung der Reinheit und plastischen Verformbarkeit hergenommen werden. Zusätze wie Molybdän, Chrom und Nickel, sowie Mangan und Silizium verbessern die Elastizität und der Stahl bleibt doch hart, und sie sorgten für den guten Keltenstahl dem der Kohlenstoff bis zu einem geringen Teil entzogen wurde. Resultat: Bestens zu schärfen und kaum rostend. Gute Waffen benötigen eine gleichmäßige Zusammensetzung. Also kein Vermischen verschiedener Barren aus unterschiedlichen Gegenden. Aber woher die Zusätze bekommen?

Die Schmiede waren angesehen Handwerker, die den mystischen Vorgang, mit Feuer und Eisen ein Objekt schaffen konnten, das als Kriegsgerät oder Kultgegenstand verwendet werden konnte. Und alles in einem Raum der Düsternis, Lärm, Hitze und dampfendes Wasser für manche der Vorort zur Hölle. Besondere Schmiedetechniken führten zu Damaststahl, wobei hier verschieden Stahlstränge unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung, immer wieder geschmiedet und gefaltet wurden, um letztendlich zu einem Stück verarbeitet zu werden. Das widerspricht eigentlich dem oben gesagten, jedoch ist hier der Schmied gefragt, der viele Schmiede- und Abkühlungszyklen kontrolliert einsetzt: „Magie“. Oft blieb es sein Geheimnis. Das Anpassen eines Schwertes an den Kämpfer war eine wichtige Aufgabe, denn ein Schwert, dessen Schwerpunkt zum Arm und der Muskelkraft des Benutzer austariert wurde, sowie die individuelle Legierung besaß, machte unbesiegbar. Siehe Excalibur und Balmung.

Die Herkunft der Erze

Aber woher die Erze und Zusätze bekommen, wenn nicht ein Meteor oder dessen Bruchstück aufzufinden waren? Aus Erzberg in der Steiermark und  Hüttenberg in Kärnten mit phosphor- und schwefelfreiem Eisenerz, jedoch viel Mangan.

Auch im oberen Schnaizteich bei Waldrennach, Schwarzwald, das wohl schon in vorchristlicher Zeit größte Eisenerzvorkommen nördlich der Alpen.

In der römische Provinz Noricum am Magdalensberg. Das muss wohl schon für die Kelten ein besonderer Platz gewesen sein, weil am Berg gab es kein Erz. Dieses kam also mit Pferd und Wagen mühevoll den Berg hinauf, um dann dort oben verhüttet zu werden.

Das Abschrecken des glühenden Eisens verlangte Wasser, das sehr kalt sein musste. Am Magdalensberg waren starke Winde und kaltes Wasser verfügbar. Allerding hatten wir bei einer Exkursion in 2006 und auch später keine offenen Quellen oder Brunnen gefunden. Zur Zeit der Kelten muss es also Quellen gegeben haben, die Wasser mit weniger als 8° C lieferten. Wasser das in Zisternen gesammelt worden wäre, ist sicherlich zu warm gewesen.

In der Siedlung am Magdalensberg (980 m ü.N.N.) konnten die kühlen Geländewinde (Abwinde) zur reduzierten Sauerstoffversorgung der Rennöfen (Windöfen) genutzt werden. Um das Feuer gut zu starten ist vorstellbar, dass sehr trockenes Heu verwendet wurde. Erfahrungswissenschaftliche Erkenntnisse verhalfen den Kelten und den Römern zum besonderen Stahl.

Wie oben schon erwähnt kann dies durch folgende Pflanzenarten geschehen sein:

Metall
Pflanze
H3-Wert
Mangan (Mn)
Roter Fingerhut, Stinkender Nieswurz, Gamander
Mn 7,58 I
Nickel (Ni)
Hallersche Schaumkresse, Gebirgs-Hellerkraut, Mauer-Steinkraut (Alyssum murale)
Ni 7,03

Wobei sich Mangan und Nickel besonders für die Verbesserung des Eisens eigneten.

Fußnoten:

Weitere H3 Werte in: Ewald Kalteiß „Bodenschätze“ 2015/20 ISBN 9 783939 153092,
Verlag LOG.PER.MESSTECHNIK & MEDIEN Prien

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